
Ich hatte das Glück, schon sehr früh das zu finden, was mir bis heute am meisten Freude macht: das Skifahren. Aufgewachsen bin ich in Buochs in Nidwalden, in einer Familie, in der Sport immer eine wichtige Rolle spielte. Mit zwei Jahren stand ich zum ersten Mal auf Ski, später folgten die ersten Trainings mit dem Skiclub Hergiswil. Damals hätte natürlich niemand wissen können, wohin dieser Weg einmal führt. Aber die Begeisterung war von Anfang an da – und sie ist es bis heute.
Von der Begabtenförderung Hergiswil über die Sportmittelschule Engelberg, den Nachwuchs von Swiss-Ski und die Junioren-Weltmeisterschaften 2018 in Davos führte mein Weg Schritt für Schritt in den Weltcup. Fünf Goldmedaillen innerhalb einer Woche in Davos waren sicher der Moment, in dem erstmals eine breitere Öffentlichkeit auf mich aufmerksam wurde. Viel wichtiger war für mich aber die Erkenntnis, dass ich auch auf der nächsten Stufe mithalten kann. Aus dem Traum, einmal Weltcuprennen zu gewinnen, wurde mit der Zeit Realität.
Heute darf ich auf Erfolge zurückblicken, die ich mir als Kind kaum hätte vorstellen können. Ein Olympiasieg, Weltmeistertitel, Gesamtweltcupsiege und Erfolge auf Strecken wie Adelboden, Wengen oder Kitzbühel bedeuten mir enorm viel. Ich weiss, was ich in meinem Sport erreicht habe, und darauf bin ich stolz. Gleichzeitig weiss ich auch, wie viel zusammenpassen muss, damit solche Erfolge möglich werden. Talent allein reicht nicht. Es braucht jahrelange Arbeit, die richtigen Menschen, Vertrauen, Gesundheit – und manchmal auch das nötige Quäntchen Glück.
Deshalb sehe ich Skifahren trotz aller Einzelerfolge immer als Teamleistung. Meine Familie, Trainer, Servicemänner, Teamkollegen, Partner und viele weitere Menschen begleiten mich teilweise seit vielen Jahren. Sie geben mir die Sicherheit, mich auf das konzentrieren zu können, was ich am besten kann. Ohne dieses Umfeld wäre ich heute nicht dort, wo ich bin.
Was mich antreibt, ist dabei weniger der Blick auf Rekorde oder Statistiken. Ich will herausfinden, wie gut ich sein kann. Ich bin ehrgeizig, arbeite gerne genau und möchte mich auch nach erfolgreichen Jahren weiterentwickeln. Wenn ich am Start stehe, will ich gewinnen. Diese Überzeugung braucht es aus meiner Sicht im Spitzensport. Gleichzeitig habe ich gelernt, dass man nicht alles kontrollieren kann und dass auch Niederlagen dazugehören.
Vielleicht ist mir deshalb das Leben neben dem Skisport genauso wichtig. Zu Hause in Nidwalden bin ich nicht in erster Linie der Skirennfahrer. Dort sind meine Familie und meine Freunde, dort kann ich abschalten, Sport treiben, lachen und das normale Leben geniessen. Diese Bodenhaftung ist für mich kein bewusster Gegenpol zum Erfolg – sie gehört einfach zu mir.
Ich weiss, dass meine Karriere nicht selbstverständlich ist und dass diese Zeit irgendwann vorbei sein wird. Gerade deshalb versuche ich, sie nicht nur an Titeln und Medaillen zu messen. Ich möchte im Hier und Jetzt leben, die grossen Momente bewusst geniessen und gleichzeitig neugierig bleiben auf das, was noch kommt.
Steckbrief
| Name | Marco Odermatt |
| Geburtsdatum | 8. Oktober 1997 |
| Grösse und Gewicht | 184 cm und 89 kg |
| Ski Club | Ski Club Hergiswil NW |
| Kader | Swiss Ski Nationalmannschaft |
| Hobbys | Sport allgemein (Fussball, Baden, Powdern), Freunde treffen |





